# Betriebsrat und KI im ERP: Mitbestimmung und Betriebsvereinbarung

> Source: https://netray.co/de/betriebsrat-ki-erp
> Language: de
> Publisher: Netray (netray.co)

Sobald ein KI-System im ERP Nutzerdaten verarbeitet, die Verhalten oder Leistung erkennen lassen könnten, hat der Betriebsrat nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG mitzubestimmen. Am besten binden Sie ihn früh ein und regeln Zweck, Daten und Grenzen in einer Betriebsvereinbarung. Dies ist keine Rechtsberatung.

In deutschen Betrieben mit Betriebsrat entscheidet nicht allein die Geschäftsführung, ob und wie ein KI-Assistent im ERP eingeführt wird. Das Betriebsverfassungsgesetz gibt dem Betriebsrat Informations-, Beratungs- und teils echte Mitbestimmungsrechte. Wer das ignoriert, riskiert Stillstand im Projekt, im Streitfall sogar eine einstweilige Verfügung.

Die gute Nachricht: Ein Assistent, der Bestände, Aufträge und Lieferzeiten abfragt, ist selten das Problem. Konflikte entstehen, wenn Protokolle, Nutzungsstatistiken oder Auswertungen Rückschlüsse auf einzelne Beschäftigte zulassen.

Diese Seite zeigt, welche Paragrafen relevant sind, was in eine Betriebsvereinbarung gehört und wie sich die Architektur so gestalten lässt, dass der Betriebsrat sie nachvollziehen kann.

## Die relevanten Normen im Überblick

Zentral ist § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG: Der Betriebsrat bestimmt mit bei der Einführung und Anwendung technischer Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, Verhalten oder Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen. Die Rechtsprechung legt das weit aus, schon die objektive Eignung zur Überwachung genügt. Ein ERP mit Protokollierung erfüllt das regelmäßig, ein KI-Assistent mit Abfrage-Log ebenso.

Daneben stehen § 90 BetrVG (Unterrichtung und Beratung bei Planung technischer Anlagen und Arbeitsverfahren, ausdrücklich auch bei KI), § 95 Abs. 2a (KI bei Auswahlrichtlinien) und § 80 Abs. 3, wonach der Betriebsrat bei der Beurteilung von KI-Systemen einen Sachverständigen hinzuziehen kann, ohne dass die Erforderlichkeit eigens nachgewiesen werden muss. Seit dem Betriebsrätemodernisierungsgesetz von 2021 ist das ausdrücklich geregelt.

- § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG: Mitbestimmung bei technischer Überwachungseignung
- § 90 BetrVG: Unterrichtung und Beratung, auch zu KI
- § 95 Abs. 2a BetrVG: KI bei Auswahlrichtlinien
- § 80 Abs. 3 BetrVG: Sachverständiger zu KI

## Wo im ERP Beschäftigtendaten entstehen

Ein ERP-Assistent berührt Beschäftigtendaten an mehreren Stellen: Benutzerkennungen in Belegen (wer hat die Bestellung angelegt oder freigegeben), Änderungsprotokolle, Zeiterfassung, BDE-Rückmeldungen mit Personalnummer und natürlich die Abfrage-Logs des Assistenten selbst.

Entscheidend ist der Zweck. Fragen wie 'Welche Bestellungen sind überfällig?' sind sachbezogen. Fragen wie 'Wer hat die meisten Korrekturbuchungen?' sind personenbezogen und gehören in der Regel ausgeschlossen oder streng geregelt.

## Was in die Betriebsvereinbarung gehört

Eine Rahmenbetriebsvereinbarung zu KI hat sich bewährt, ergänzt um Anlagen je Anwendungsfall. So müssen Sie nicht für jeden neuen Assistenten neu verhandeln, aber der Betriebsrat behält den Überblick.

Wichtige Punkte sind Zweckbindung, ausgeschlossene Auswertungen, Protokollierung und Löschfristen, Zugriffsrechte, Schulung, Beschwerdeweg und ein Verfahren für Änderungen. Auch die menschliche Letztentscheidung bei allem, was Beschäftigte betrifft, sollte festgeschrieben sein.

- Zweck des Systems und ausdrücklich ausgeschlossene Zwecke
- Verbot von Leistungs- und Verhaltensauswertung einzelner Personen
- Protokolle: Inhalt, Zugriff, Löschfristen
- Schulung und KI-Kompetenz (Art. 4 KI-Verordnung)
- Änderungs- und Evaluationsverfahren, etwa jährliche Überprüfung

## Datenschutz: DSGVO und § 26 BDSG

Verarbeiten Sie Beschäftigtendaten, brauchen Sie eine Rechtsgrundlage, in der Praxis § 26 BDSG oder eine Betriebsvereinbarung. Die Einwilligung ist im Arbeitsverhältnis wegen der Abhängigkeit schwierig. Prüfen Sie außerdem, ob eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO nötig ist, und beteiligen Sie den Datenschutzbeauftragten früh.

Hier hilft die Architektur: Wenn das Modell lokal läuft und kein Dritter Zugriff auf Prompts und Antworten hat, entfällt eine ganze Klasse von Fragen zu Auftragsverarbeitung und Drittlandübermittlung. Der Betriebsrat kann zudem leichter prüfen, was tatsächlich protokolliert wird.

## So gelingt die Einführung

Binden Sie den Betriebsrat vor der Beschaffung ein, nicht nach dem Pilot. Zeigen Sie einen konkreten Anwendungsfall, die Datenflüsse, die Rechte und die Abfrage-Logs. Bieten Sie an, dass der Betriebsrat einen Sachverständigen beauftragt, und planen Sie dafür Zeit ein.

Ein Pilot mit klar begrenztem Zweck und Befristung schafft Vertrauen. In unserem Assessment erstellen wir auf Wunsch eine verständliche Beschreibung der Datenflüsse, die Sie dem Betriebsrat vorlegen können.

## Ehrliche Grenzen

Wir sind keine Rechtsanwälte, und Betriebsvereinbarungen müssen Sie mit Ihrem Arbeitsrechtler und dem Betriebsrat abstimmen. Technik kann Mitbestimmung nicht ersetzen, sie kann sie nur erleichtern.

Ohne Betriebsrat entfällt § 87 BetrVG, nicht aber DSGVO und Fürsorgepflicht. Auch dort ist Transparenz gegenüber den Beschäftigten ratsam.

## FAQ

### Muss der Betriebsrat jeder KI im ERP zustimmen?

Mitbestimmung nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG besteht, wenn das System objektiv zur Überwachung von Verhalten oder Leistung geeignet ist. Bei ERP-Assistenten mit Nutzerprotokollen ist das häufig der Fall. Zusätzlich greifen Informationsrechte nach § 90 BetrVG.

### Darf der Betriebsrat einen Sachverständigen hinzuziehen?

Ja. Nach § 80 Abs. 3 BetrVG gilt die Hinzuziehung eines Sachverständigen bei der Beurteilung von KI als erforderlich, sofern Einigung über die Person und die Kosten besteht. Planen Sie dafür Zeit ein.

### Was gehört unbedingt in die Betriebsvereinbarung?

Zweck, ausgeschlossene Auswertungen, Protokollierung mit Löschfristen, Zugriffsrechte, Schulung, menschliche Letztentscheidung und ein Verfahren für Änderungen. Eine Rahmenvereinbarung mit Anlagen je Anwendungsfall hat sich bewährt.

### Hilft ein lokal betriebenes Modell bei der Zustimmung?

Es erleichtert die Prüfung, weil Datenflüsse und Protokolle im eigenen Haus liegen. Die Mitbestimmung ersetzt es nicht.

### Wann ist eine Datenschutz-Folgenabschätzung nötig?

Wenn die Verarbeitung voraussichtlich ein hohes Risiko für Betroffene birgt, etwa bei systematischer Überwachung von Beschäftigten. Das entscheidet Ihr Datenschutzbeauftragter im Einzelfall.
