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Cybersicherheit und Compliance

NIS2 in der Fertigung: Was ERP, Schnittstellen und KI-Systeme jetzt leisten müssen

Kurz gesagt

NIS2 verpflichtet viele Fertigungsunternehmen zu Risikomanagement, Meldungen an das BSI und Sicherheit in der Lieferkette. Das ERP ist dabei ein zentrales Schutzobjekt, und jede KI-Anbindung erweitert die Angriffsfläche. Sauber umgesetzt kann eine lokale KI-Architektur die Anforderungen sogar erleichtern.

Die europäische NIS2-Richtlinie wird in Deutschland durch das NIS2-Umsetzungsgesetz in nationales Recht überführt und erweitert den Kreis der betroffenen Unternehmen deutlich. Neben klassischer kritischer Infrastruktur fallen auch viele Hersteller etwa von Maschinen, Elektronik und Fahrzeugen als wichtige oder besonders wichtige Einrichtungen darunter, abhängig von Größe und Branche.

Dieser Leitfaden gibt keine Rechtsberatung. Er zeigt aus Sicht der ERP- und KI-Architektur, wo die Anforderungen konkret werden, und was Sie vor einem KI-Projekt klären sollten. Prüfen Sie Ihre Betroffenheit und den aktuellen Gesetzesstand mit Ihrer Rechtsberatung und Informationssicherheit.

Betroffenheit und Kernpflichten

Ob Sie betroffen sind, hängt vom Sektor und von Größenschwellen ab, grob gesagt ab 50 Beschäftigten oder 10 Millionen Euro Jahresumsatz in einem der erfassten Sektoren. Das Verarbeitende Gewerbe ist für bestimmte Güter wie Maschinenbau, Elektronik und Fahrzeugbau enthalten. Betroffene Unternehmen müssen sich beim BSI registrieren und die Geschäftsleitung trägt Verantwortung für Umsetzung und Überwachung.

Zu den Kernpflichten gehören Risikomanagementmaßnahmen, Vorfallbewältigung, Business-Continuity, Sicherheit in der Lieferkette, Zugriffskontrolle, Kryptografie und Schulung. Meldepflichtige Vorfälle sind in Stufen zu melden: Frühwarnung innerhalb von 24 Stunden, Meldung innerhalb von 72 Stunden und ein Abschlussbericht nach einem Monat.

  • Registrierung beim BSI und Verantwortung der Geschäftsleitung
  • Risikomanagement, Zugriffskontrolle, Kryptografie, Backup und Wiederanlauf
  • Meldefristen: 24 Stunden, 72 Stunden, Abschlussbericht nach einem Monat
  • Sicherheit in der Lieferkette, auch bei Softwarelieferanten

Das ERP als Schutzobjekt

Das ERP enthält Stücklisten, Preise, Kundendaten, Bankverbindungen und steuert Produktion und Logistik. Ein Ausfall oder Datenabfluss trifft das Unternehmen unmittelbar. Prüfen Sie Patch-Stände von Datenbank, Betriebssystem und Anwendung, Rollen und Berechtigungen, Administratorkonten, Protokollierung und Backups mit getesteter Wiederherstellung.

Besonders kritisch sind Schnittstellen: Dienstkonten mit zu weitreichenden Rechten, Altsysteme ohne Updates, Fernwartungszugänge von Dienstleistern und die Verbindung zwischen ERP und Maschinen- oder MES-Ebene. Jede dieser Verbindungen sollte dokumentiert, minimal berechtigt und überwacht sein.

Was KI an der Angriffsfläche ändert

Eine KI-Anbindung ist eine neue Schnittstelle mit Lesezugriff auf sensible Daten. Risiken sind zu weit gefasste Rechte, abfließende Daten an externe Dienste, Prompt-Injection über Dokumente, in denen versteckte Anweisungen stehen, und unkontrollierte Schreibaktionen. Betrachten Sie das System wie jede andere Anwendung im Risikomanagement.

Gegenmaßnahmen sind konkret: lesende, minimal berechtigte Konten, Werkzeuge mit festen Abfragen statt freier Datenbankzugriffe, Trennung von Dokumentinhalt und Anweisung, Freigabe durch Menschen bei jeder Schreibaktion, vollständige Protokolle und ein Betrieb ohne externe Modellschnittstelle. Eine lokale Architektur reduziert zudem die Zahl der Drittanbieter in Ihrer Lieferkette.

Lieferkette und Nachweise

NIS2 verlangt, Risiken durch Lieferanten und Dienstleister zu bewerten. Für KI heißt das: Welche Modelle, Bibliotheken und Dienste kommen zum Einsatz, woher stammen sie, wie werden Updates geprüft? Offene Modelle mit festgelegten Versionen, eigenem Hosting und einer Liste der Komponenten erleichtern diese Dokumentation.

Halten Sie Nachweise bereit: Architekturübersicht, Datenflüsse, Rollenkonzept, Protokollkonzept, Notfallplan für den KI-Dienst und Ergebnisse von Tests. Netray hält keine Zertifizierungen für Sie vor; wir liefern die Dokumentation der technischen Umsetzung, die Sie in Ihr eigenes Managementsystem übernehmen können.

Vorgehen und ehrliche Einordnung

Sinnvolle Reihenfolge: Betroffenheit klären, ERP und Schnittstellen inventarisieren, Schutzbedarf der geplanten KI-Daten bestimmen, dann erst Architektur und Pilot festlegen. Die Sicherheit des ERP selbst ist eine eigene Aufgabe und Voraussetzung, kein Teil eines KI-Projekts.

Ehrlich: Ein KI-Projekt macht Ihr Unternehmen nicht NIS2-konform, und es kann bei schlechter Umsetzung zusätzliche Risiken schaffen. Wenn Patchmanagement, Berechtigungen und Backup noch Lücken haben, gehört deren Schließung vor die KI. Wir sagen das im Assessment deutlich.

Häufige Fragen

Ist mein Fertigungsunternehmen von NIS2 betroffen?

Das hängt von Sektor und Größe ab, grob ab 50 Beschäftigten oder 10 Millionen Euro Umsatz in einem erfassten Sektor. Bestimmte Hersteller etwa von Maschinen, Elektronik und Fahrzeugen sind eingeschlossen. Lassen Sie das rechtlich prüfen und den aktuellen Gesetzesstand berücksichtigen.

Welche Meldefristen gelten bei einem Sicherheitsvorfall?

Eine Frühwarnung innerhalb von 24 Stunden, eine Meldung innerhalb von 72 Stunden und ein Abschlussbericht spätestens nach einem Monat. Details und Zuständigkeit klären Sie mit Informationssicherheit und Rechtsberatung.

Erhöht eine KI-Anbindung ans ERP das Risiko?

Sie schafft eine zusätzliche Schnittstelle. Mit minimalen Leserechten, festen Abfragen, Protokollierung, Freigabe für Schreibaktionen und lokalem Betrieb lässt sich das Risiko gut beherrschen.

Hilft On-Premise-KI bei der Lieferkettensicherheit?

Ja, weil weniger externe Anbieter beteiligt sind und Sie Versionen von Modellen und Komponenten selbst festlegen. Die Bewertung der verbleibenden Komponenten bleibt Ihre Aufgabe.

Macht uns ein KI-Projekt NIS2-konform?

Nein. NIS2-Konformität betrifft das gesamte Unternehmen. Ein KI-Projekt muss sich in Ihr Sicherheitskonzept einfügen und darf es nicht schwächen.

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