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ERP-Abfragen

ERP-Daten in natürlicher Sprache abfragen: so funktioniert es

Kurz gesagt

Natürlichsprachliche Abfragen übersetzen eine Frage wie 'Welche Aufträge sind diese Woche gefährdet?' in geprüfte Abfragen gegen Ihr ERP. Gute Systeme zeigen die Abfrage, halten sich an die ERP-Rechte und sind lesend. Die Qualität hängt von Datenmodell und Fachwissen ab, nicht allein vom Sprachmodell.

Viele Fachabteilungen warten auf Auswertungen, die nur die IT oder ein externer Berater erstellen kann. Die Berichtswünsche wachsen schneller, als die IT sie umsetzt. Natürlichsprachliche Abfragen versprechen, diese Lücke zu schließen: Die Frage wird getippt, die Antwort kommt aus den Live-Daten.

Das funktioniert, aber nicht von selbst. Ein ERP hat Hunderte oder Tausende Tabellen, kryptische Feldnamen und Geschäftslogik, die nicht in der Datenbank steht. Wer das ignoriert, bekommt plausibel klingende, aber falsche Zahlen.

Wie es technisch funktioniert

Im Kern gibt es zwei Verfahren. Beim Text-to-SQL erzeugt das Sprachmodell aus der Frage eine Datenbankabfrage, die geprüft und ausgeführt wird. Beim Retrieval werden Dokumente, Stammdatentexte und Beschreibungen durchsucht und als Kontext an das Modell gegeben. In der Praxis kombiniert man beides.

Der entscheidende Baustein ist eine semantische Schicht: eine gepflegte Beschreibung, welche Tabellen und Felder was bedeuten, wie ein 'offener Auftrag' definiert ist und welche Filter immer gelten. Diese Schicht kommt von Menschen, die Ihr ERP kennen. Ohne sie rät das Modell.

  • Semantische Schicht mit Begriffen, Tabellen und Regeln
  • Abfrage wird dem Benutzer angezeigt und ist nachprüfbar
  • Nur lesender Zugriff, mit Zeitlimit und Zeilenbegrenzung
  • Berechtigungen aus dem ERP werden übernommen
  • Testmenge bekannter Fragen mit geprüften Antworten

Typische Fragen im Mittelstand

Aus dem Alltag in Fertigungsbetrieben: Welche Kundenaufträge haben einen Liefertermin in den nächsten zehn Tagen und fehlendes Material? Welche Lieferanten liegen bei der Termintreue unter einem Schwellenwert? Wie hat sich der Ausschuss an Linie 3 in den letzten drei Monaten entwickelt? Welche Artikel haben seit einem Jahr keine Bewegung?

Gut geeignet sind Fragen mit klaren Datenquellen. Schlecht geeignet sind Fragen, die Urteil verlangen, etwa 'Welchen Lieferanten sollen wir wechseln?'. Hier kann die KI Fakten aufbereiten, die Entscheidung bleibt beim Menschen.

Sicherheit, Rechte und Datenschutz

Ein Abfragewerkzeug darf nicht zum Hintereingang werden. Es sollte die Rollen des ERP übernehmen, mit einem lesenden Benutzer oder Replikat arbeiten und alle Abfragen protokollieren. Prompt-Injection ist ein reales Risiko, wenn Dokumente oder Freitextfelder in den Kontext gelangen: Inhalte aus Daten dürfen keine Anweisungen auslösen.

Beim Betrieb entscheidet die Frage, wohin die Daten gehen. Läuft das Modell privat, auf Ihrer Hardware oder in Ihrer privaten Cloud, verlassen weder Fragen noch ERP-Daten Ihren Bereich. Bei Cloud-KI-Diensten brauchen Sie eine Auftragsverarbeitung nach DSGVO und eine Prüfung von Drittlandübermittlungen. Der Betriebsrat sollte beteiligt werden, wenn Auswertungen Beschäftigte betreffen können.

So gehen Sie vor

Sammeln Sie zuerst 20 bis 50 echte Fragen aus Vertrieb, Einkauf, Disposition und Produktion, mit den heute bekannten Antworten. Diese Testmenge ist Ihr Maßstab. Dann bauen Sie die semantische Schicht für den Teil des ERP, den diese Fragen berühren, und messen die Trefferquote.

Starten Sie klein, mit einer Abteilung. Erweitern Sie erst, wenn die Antworten verlässlich sind. Das ist weniger spektakulär als ein Rundumschlag, aber es funktioniert.

Wann reichen Standardberichte oder die Hersteller-KI?

Wenn Ihre Fragen sich wiederholen, ist ein gutes Dashboard oder ein Standardbericht günstiger und stabiler. Auch SAP, Microsoft, Infor und andere Hersteller bauen eigene Assistenten in ihre Produkte. Prüfen Sie diese zuerst, wenn Sie nur ein System haben und keine besonderen Anforderungen an Datenresidenz haben.

Ein eigener Aufbau lohnt sich bei mehreren Systemen, bei On-Premise-Pflicht, bei Branchenvorgaben wie in Luftfahrt und Rüstung oder wenn Sie Modell und Daten selbst kontrollieren wollen.

Häufige Fragen

Kann ich meinem ERP einfach Fragen stellen wie bei ChatGPT?

Im Prinzip ja, aber nicht mit einem allgemeinen Chatbot. Es braucht eine Anbindung an Ihre Daten, eine semantische Schicht und Rechteprüfung, sonst sind die Antworten unzuverlässig.

Wie verhindert man falsche Zahlen?

Durch geprüfte Begriffsdefinitionen, angezeigte Abfragen, eine Testmenge bekannter Antworten und menschliche Kontrolle bei wichtigen Entscheidungen.

Kann die KI auch Daten im ERP ändern?

Standardmäßig nicht. Der Zugriff ist lesend. Schreibaktionen sind nur nach Freigabe durch einen Menschen vorgesehen.

Bleiben die Daten im Unternehmen?

Ja, bei privatem Betrieb. Offene Modelle laufen auf Ihrer Hardware oder in Ihrer privaten Cloud, es gehen keine Daten an externe KI-Dienste.

Welche ERP-Systeme sind möglich?

Grundsätzlich jedes ERP mit lesbarem Datenzugriff, zum Beispiel NetSuite, Infor SyteLine, M3 und LN. Andere Systeme bewerten wir im Assessment.

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